Lernplan erstellen, Wissen aktiv abrufen und Wiederholungen einplanen: Hier findest du konkrete Anleitungen und Beispiele für Ausbildung, Studium und berufliche Weiterbildung. Wähle den Beitrag, der zu deiner nächsten Lernaufgabe passt, und probiere einen Schritt mit deinen eigenen Unterlagen aus.

Prokrastination beim Lernen: In 5 Schritten anfangen
Lernen nicht länger aufschieben: Einstiegshürden erkennen, Aufgaben verkleinern und konkret anfangen. Mit fünf Schritten und einem Zehn-Minuten-Beispiel.
Du willst für die Prüfung lernen. Stattdessen räumst du deinen Schreibtisch auf, suchst die perfekte Vorlage oder wartest darauf, motivierter zu sein. Beim Aufschieben hilft als erster Versuch ein sehr konkreter Einstieg: Wähle eine kleine Lernhandlung, lege einen Termin fest und beginne für ein begrenztes Zeitfenster. Danach prüfst du, was dich noch bremst.
Hier findest du fünf Schritte gegen Prokrastination beim Lernen und ein Beispiel, das du heute mit deinen eigenen Unterlagen ausprobieren kannst. Es geht um den Weg vom Vorhaben zur ersten bearbeiteten Aufgabe.
Was bedeutet Prokrastination beim Lernen?
Prokrastination beschreibt das Aufschieben anstehender Aufgaben. Beim Lernen kann das heissen, dass du die Prüfungsvorbereitung immer wieder vertagst, obwohl du sie erledigen möchtest. Die Gründe unterscheiden sich: Eine Aufgabe kann unklar, unangenehm oder überfordernd sein. Auch fehlendes Interesse kann den Einstieg erschweren. Das Wissensblatt der Universität Zürich zu Prokrastination und Selbstmotivation beschreibt diese unterschiedlichen Hindernisse.
Eine bewusst eingeplante Pause oder das Verschieben nach einem erschöpfenden Tag ist nicht automatisch ein Aufschiebeproblem. Frage dich: «Treffe ich gerade eine sinnvolle Entscheidung mit einem neuen Termin, oder vermeide ich den Anfang immer wieder?»
1. Benenne die konkrete Einstiegshürde
Schreibe auf, welche Aufgabe du vor dir herschiebst. «Ich lerne zu wenig» ist zu allgemein. «Ich beginne die Fallaufgabe zur Prozessanalyse nicht» gibt dir einen konkreten Ansatzpunkt.
Ergänze: «Der Anfang fällt mir schwer, weil …» Vielleicht kennst du den ersten Schritt nicht. Vielleicht glaubst du, sofort eine perfekte Lösung liefern zu müssen. Oder deine geplante Aufgabe passt zeitlich nicht mehr in den Abend. Wähle anschliessend eine passende Reaktion: Auftrag klären, einen ersten Entwurf zulassen oder den Umfang für heute begrenzen.
2. Mache aus dem grossen Vorhaben eine kleine Handlung
«Das ganze Kapitel können» ist ein Ergebnis für später. Für den Start brauchst du eine Handlung, die du jetzt ausführen kannst: die erste Übungsfrage beantworten, die Angaben einer Aufgabe markieren oder einen Begriff anhand deiner Unterlagen klären.
Ein Beispiel aus einer Weiterbildung: Aus «Prozessmanagement lernen» wird «Ich zeichne den Ablauf aus Beispiel 2 und markiere die Stelle, die ich noch nicht verstehe». Du hast danach etwas Bearbeitetes vor dir und eine konkrete Frage für den nächsten Schritt.
Wenn du zuerst den Überblick brauchst, begrenze auch diese Vorbereitung: Notiere die drei relevanten Themen und wähle eines aus. Die ausführliche Anleitung Lernplan erstellen: In 5 Schritten zur Prüfung hilft dir anschliessend bei der gesamten Planung.
3. Lege fest, wann und wo du beginnst
«Heute Abend irgendwann» lässt die Startentscheidung offen. Schreibe einen konkreten Satz: «Wenn ich am Dienstag um 19.00 Uhr am Küchentisch sitze, öffne ich Aufgabe 2 und bearbeite zuerst die Angaben.» Lege vorher bereit, was du dafür benötigst.
Dieser Satz ist eine praktische Startvereinbarung mit dir selbst. Wähle eine Zeit, die tatsächlich frei ist. Wenn du einen Termin verpasst, entscheide über einen neuen erreichbaren Termin. Ein immer grösserer Berg an Nachholaufgaben macht den nächsten Anfang selten übersichtlicher.
4. Teste einen kurzen Start statt einer endlosen Sitzung
Stelle dir für den ersten Versuch zum Beispiel einen Timer auf zehn Minuten. Arbeite in dieser Zeit nur am festgelegten Schritt. Die zehn Minuten sind ein eigenes Einstiegsbeispiel: Sie garantieren keine bestimmte Wirkung und reichen nicht automatisch für deinen gesamten Stoff.
Wenn du eine Erklärung brauchst, notiere die genaue Frage. Wenn du den ersten Schritt schaffst, entscheide danach, ob du noch ein passendes Stück weiterarbeiten kannst. Ein Timer soll dir eine klare Grenze geben, nicht das Signal, dich über Erschöpfung hinwegzusetzen.
Verlierst du nach dem Start ständig den Faden, probiere die Schritte aus Konzentration beim Lernen: 5 Schritte für mehr Fokus. Dort geht es um Unterbrechungen, Lernfenster und die Kontrolle einer bearbeiteten Aufgabe.
5. Halte das Ergebnis und den nächsten Einstieg fest
Notiere zum Schluss zwei Dinge: «Das habe ich bearbeitet» und «Hier mache ich weiter». Zum Beispiel: «Ich habe die Prozessschritte skizziert. Als Nächstes prüfe ich, welche Angaben für die Engpassanalyse fehlen.»
Ein bearbeiteter Schritt bedeutet noch nicht, dass du das Thema beherrschst. Kontrolliere die Lösung oder versuche, den Zusammenhang ohne Unterlagen zu erklären. Im Beitrag zu Active Recall findest du Beispiele für diese Selbstprüfung.
Ein Beispiel für deinen Lernstart heute
Du schiebst eine Aufgabe zur Investitionsrechnung auf, weil das Thema umfangreich wirkt. So könnte dein Einstieg aussehen:
Aufgabe: Übungsaufgabe 3 bearbeiten. Hürde: Ich weiss nicht, welche Angaben ich brauche. Erster Schritt: Den Auftrag lesen und die gegebenen Werte notieren. Termin: Heute um 18.30 Uhr am Schreibtisch. Startfenster: Zehn Minuten. Danach: Den ersten Rechenschritt wählen oder eine konkrete Verständnisfrage notieren.
Du musst damit nicht die ganze Aufgabe in zehn Minuten lösen. Du klärst den Einstieg und siehst, was als Nächstes nötig ist. Für umfangreichen Prüfungsstoff gehören weitere Lerntermine und Wiederholungen in deinen Plan.
Häufige Fragen zum Aufschieben beim Lernen
Was kann ich tun, wenn ich keine Motivation zum Lernen habe? Prüfe, was dir den Start erschwert, und wähle eine kleine konkrete Handlung. Du kannst ausserdem notieren, wofür du das Thema brauchst. Motivation kann schwanken; ein klares Vorhaben macht deine nächste Entscheidung übersichtlicher.
Ist die Vorbereitung meines Lernplans auch Aufschieben? Planung ist hilfreich, wenn daraus eine ausführbare Aufgabe entsteht. Wenn du immer neue Farben, Vorlagen oder Zeitpläne auswählst und keine Aufgabe bearbeitest, begrenze die Planung und lege einen konkreten Lernstart fest.
Was, wenn kleine Schritte allein nicht helfen? Wenn du über längere Zeit blockiert bist oder das Aufschieben deinen Alltag stark belastet, suche Unterstützung bei einer passenden Beratungsstelle. Die Psychologische Beratungsstelle UZH/ETH beschreibt beispielsweise Unterstützung bei Arbeitshemmung und Prokrastination für ihre Zielgruppen.
Mit einem wiederverwendbaren Lernablauf weiterarbeiten
Schreibe jetzt deine aufgeschobene Aufgabe, einen ersten kleinen Schritt und einen erreichbaren Starttermin auf. Nach der Einheit hältst du fest, wie es weitergeht.
Der Selbstlernkurs «Lernen lernen» unterstützt dich beim Priorisieren, Aufteilen grosser Aufgaben und Planen von Lernzeiten. Er enthält sechs Module, PDF- und Word-Vorlagen sowie ein Offline-Lerncockpit für den Computer und lässt sich selbstständig in deinem Tempo bearbeiten.
Quellen und Einordnung
Universität Zürich, Laura Dörrenbächer-Ulrich: Wissensblatt Prokrastination und Selbstmotivation (PDF). Grundlage für die Beschreibung unterschiedlicher Einstiegshürden; die Lernaufgaben und die Zehn-Minuten-Routine sind eigene Anwendungsbeispiele.
Universität Bern: Zeit einteilen, zu erreichbaren Zeitfenstern und persönlichem Tagesrhythmus. Psychologische Beratungsstelle UZH/ETH: Arbeitshemmung und Prokrastination.
